Die Steppen-Oase

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Ulaan Baatar, ein herbeigesehnter Ort. Nicht die Stadt selbst, mit ihren 1,5 Mio. Einwohnern und dem nie endenden Verkehrschaos. Der herbeigesehnte Ort ist das Oasis am Rand der Metropole. Das Guesthouse ist eine gute Position, um für ein paar Tage den Anker zu werfen. Und wie bei meinem letzten Besuch ist es auch diesmal fast so, als würde ich nach Hause kommen. Kaum etwas hat sich verändert, alles ist noch so, wie in meinen Erinnerungen. Nichts fehlt, die Herzlichkeit, die Ruhe und die Menschen, alles ist noch da, Sibylle die Managerin, Boldro die Köchin und die anderen Mitarbeiter. Schon zweimal war ich in dieser Oase. Das letzte Mal 2011, zusammen mit Claudia auf der Reise nach Magadan.

Jetzt bin ich wieder hier. Und doch gibt es eine Veränderung, die zwangsläufig passieren muss – die Gäste haben gewechselt. Neue Gesichter, neue Geschichten, neue Philosophien. Alle interessant, alle hörenswert. Wie die von Dimitri, der in Seattle lebt. Ein Extremist wenn es ums Reisen geht. Sein Anspruch – die Welt zu umrunden aus eigener Kraft. »Human powered«, wie Dimitri es nennt. Die einzigen Hilfsmittel die er sich bei dieser Strapaze gönnt, sind Fahrrad, Schlitten oder Ruderboot (mit dem er den Atlantik überqueren will) – alles Dinge, die er mit seinen Muskeln bewegen kann. Die Beringstraße hat er schon im letzten Winter zu Fuß von Alaska nach Sibirien mit einem Schlitten hinter sich gebracht. 15 Tage habe er dafür gebraucht, den ersten Menschen habe er erst nach einem Monat wieder zu Gesicht bekommen. Jetzt sitzt er im Oasis und verstrickt sich mehr und mehr in bürokratische Prozesse. Kürzlich hat er geheiratet, und nun ist er dabei, die Einbürgerung seiner russischen Frau in die USA zu regeln. Im Moment ist er sich nicht sicher, was das größere Abenteuer ist, die Weltumrundung aus eigener Kraft, oder die Papierschlacht mit den amerikanischen Behörden. Fast drei Jahre ist er schon unterwegs und ein Drittel hat er erst geschafft. Wann er dieses Projekt abschließt wird, weiß Dimitri nicht. Er macht keine Pläne, nimmt es lieber wie es kommt.

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Kojis kleiner Sohn fühlt sich schon sichtbar wohl auf der GS.

Das Oasis ist auch ein guter Punkt um dem Motorrad wieder mehr Aufmerksamkeit zu schenken, von der es auf den letzten 9000 Kilometer zu wenig bekommen hat. Der fällige Ölwechsel und ein Satz neue Reifen. In den letzten drei Wochen mussten die beiden BMWs nur eins, funktionieren und den ein oder anderen Fahrfehler verzeihen. Eine Gegenleistung in Form von Zuwendungen gab es kaum.

Unterstützt werden wir bei der Wartung von Koji. Der Japaner, den es der Liebe wegen nach Ulaan Baatar zog, hat schon als Mechaniker bei der Dakar Rallye Autos wieder zusammen geschraubt. Jetzt hat er eine kleine Werkstatt direkt neben dem Oasis. An diesem Ort können wir uns an den Bikes austoben, die Technik wieder in Ordnung bringen. Wobei einige Mängel zum Vorschein kommen. Das übersehene Schlagloch kurz vor Ulaan Baatar blieb nicht ohne Folgen. Zwei dicke Dellen zieren nun Vorder- und Hinterradfelge. Wie mit diesem Missstand umgehen? Ausbeulen? So lassen, wie es ist? Ich habe beschlossen die Beulen in den Felgen zu ignorieren. Hatten sie doch bis jetzt keine negative Auswirkung auf das Fahrverhalten, nicht einmal ein Druckverlust in den Reifen war festzustellen. Darum wird mein Leben im Oasis bis zur Abreise am Mittwoch wenig rasant und aktionslos verlaufen. Kurz – es werden ruhige Tage.

geschrieben von am Montag, den 10. Juni 2013

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