Donnerstag, 12. März 2009 12:21

von Uli Böckmann
Ja, auch das hat es einmal gegeben. Es heißt Ner-a-Car »Model C«, ist keine Computersimulation und wurde in den USA und in England produziert. Es ist dass letzte Modell in der nicht einmal zehnjährigen Firmengeschichte von Ner-a-Car, die von 1918 bis 1927 währte. Doch so eigenwillig das »Model C« auch daherkam, so war es dennoch nicht etwa ein Ausrutscher in der Designlinie des Herstellers, nein – Model A und B sahen auch schon aus wie die Brille von Harry Potter.
Carl Neracher, der amerikanische Konstrukteur, wollte seine Schöpfung allerdings auch nicht als Motorrad interpretiert wissen, sein Vorbild war vielmehr das Auto. Deshalb auch der Markenname, eine leicht gehbehinderte Kreuzung zwischen dem Namen des Schöpfers und der Aussage »nearly a car«. Er wollte damit die Menschen in seine Sättel heben, die auf keinen Fall ein Motorrad fahren wollten, sich ein kleines Auto aber nicht leisten können.
Beim hier gezeigten englischen »Model C« streckt ein 348 Kubikzentimeter großer Blackburne-Viertakter sein Köpfchen keck aus der komisch-kantigen Konsole, über ihm freuen sich lässige Leute über den lustig-langen Lenker. Wie überhaupt das Lenkprinzip eine besondere Erwähnung verdient, angeblich handelt es sich dabei um die erste in ein Motorrad eingebaute Achsschenkellenkung – oder zumindest so etwas in der Art.
Trotz ihres Looks fand die Ner-a-Car Käufer, sie hatte ja auch tatsächlich einiges zu bieten: ihr Monoqoque verlieh ihr eine hohe Stabilität, sie war dank des niedrigen Schwerpunktes leichthändig zu bedienen und ihre Trittbretter standen in einem solchen Verhältnis zum gefederten Ledersattel, dass nur eine Sitzposition funktionierte: »Feet-forward«. Noch heute hat das viele Freunde. Sie galt außerdem als besonders sparsam und wurde entsprechend beworben: »300 Miles for $1«.
Aber was nur »nearly« ein Auto darstellt, sollte dann besser auch nicht »nearly« so viel kosten. Die Maschine war zwar billiger als ein Auto, aber jetzt auch wieder nicht so viel billiger, dass sie mit dem scheelen Augenaufschlag ihrer beiden Scheinwerfer die Käufer in Scharen anlocken konnte. Da half es auch nicht, dass »Cannonball« Baker im Jahr 1922 die 3300 Meilen von New York nach Los Angeles mit einer Ner-a-Car in nur sieben Tagen zurücklegte, bei täglich rund 16-18 Stunden im Sattel. So verdient man sich dann auch diesen Namen.
Wer bei der Probefahrt einer »Ner-a-Car« einmal Augen- und Ohrenzeuge sein möchte, stößt unten auf den passenden Link. Der weiß dann auch, wie man sich Freunde in der Nachbarschaft macht, getreu dem Firmen-Slogan: »Go as you are - on a Ner-a-Car!«
http://www.youtube.com/watch?v=kn_wDPWZ6-k