Mittwoch, 22. Juni 2011 8:23

Ein Blog ist ein Online-Medium und vor allem ein Echtzeit-Medium. Nur was, wenn man beim besten Willen nicht online gehen kann? Man greift zum Telefon. So geschehen gestern Abend. Andreas Hülsmann ist am Apparat. Claudia und er befinden sich zu diesem Zeitpunkt etwa 600 Kilometer westlich des sibirischen Irkutsk.
Sie sind in Begleitung von James unterwegs, einem Briten, der sich von seiner englischen Heimat auf dem Landweg bis nach New York durchschlagen möchte. Das Dreierteam hat sein Zeltlager wenige Meter neben dem sibirischen Highway aufgeschlagen. Weiter in die Wälder zu einem etwas idyllischeren Plätzchen zu fahren, ist wegen des tiefgründig aufgeweichten Bodens nicht möglich.
Nachdem die Reisenden in den westlichen Landesteilen Russlands gelegentlich gerne den Komfort einer festen Unterkunft in Anspruch genommen haben, ist das Zelt seit einigen Tagen ihr Zuhause. »Ab Nowosibirsk gibt es die „Gastinizas“, wie die Raststätten in Russland heißen, nur noch alle paar hundert Kilometer«, erklärt mir Andreas.
Hinter Claudia und Andreas liegt eine Tour de Force durch sechs Zeitzonen. 500 bis 600 Kilometer spulen die beiden jeden Tag ab. Und das unter heftigen Bedingungen. Es gibt Tage, da regnet es stundenlang in Strömen, dann knallt die Sonne erbarmungslos vom Himmel und treibt die Temperaturen über die 35-Grad- Marke. Schlimmer als die Witterung ist jedoch die Fahrweise der russischen Lkw-Piloten, von Rücksichtnahme keine Spur. Die Polizei versucht zwar mit engmaschigen Kontrollen etwas Ordnung in das Verkehrsgeschehen auf dem sibirischen Highway zu bekommen, doch das gelingt nur bedingt. Zu Claudia und Andreas waren die Ordnungshüter bislang zumindest äußerst korrekt. Ein Blick in die Papiere mit freundlichem Desinteresse, dann ging es immer nur um die Motorräder.
Die beiden BMWs laufen bis jetzt völlig problemlos. Eine Delle in Andreas Felge kann er nicht dem Material anlasten, sondern der eigenen Unachtsamkeit – mit Karacho ist er in ein Schlagloch gerauscht.
Warum eigentlich die Eile, wird sich so mancher fragen. Schuld am Zeitdruck ist ein selbstgesetzter Termin. Am 25. Juni will Andreas in der mongolischen Hauptstadt Ulaan Baatar ein kleines Travel-Event steigen lassen. Location ist die Globetrotter-Herberge »Oasis«. Bis Samstagmittag wollen Claudia und Andreas spätestens dort sein. »Und dann werden wir es für den Rest der Reise endlich ruhig angehen lassen«, gibt mir ein hörbar geschlauchter Andreas noch durch, bevor die Verbindung zum fünften Male abbricht.
Spätestens in Ulaan Baatar wird Andreas dann wieder online sein und selbst berichten. Und dann gibt es hoffentlich ein paar schöne Bilder. Bis dahin könnt ihr die beiden weiter per Satelliten-Tracking begleiten.
Andreas Reimar