Doswidanja „POCCИЯ“

»Watch Man« Valerij hat die ganze Nacht unsere Motorräder bewacht.

»Watch Man« Valerij hat die ganze Nacht unsere Motorräder bewacht.

Ulan Ude, kaputt, fertig, ausgelutscht. Fast 9000 Motorrad-Kilometer mehr in meinem Leben, davon fast 5000 Kilometer auf dem sibirischen Highway, diesem asphaltierten Marterpfahl zwischen Moskau und Wladiwostok. Diese Straße war auch auf meiner dritten Tour durch Sibirien gnädig. Lothar mit seinem platten Vorderrad-Reifen, einige lockere Schrauben, sonst nichts Auffälliges. Glück gehabt!

Ja, es muss Glück mit im Spiel gewesen sein, wenn man diese Trasse heil überstanden hat. Dieser Highway fordert Opfer. Manchmal ist es nur ein kaputter Auspuff, manchmal schon eine gebrochene Achse und manchmal eine abgesprungene Kette, wie bei Alexej, der kurz vor Achinsk mit seinem Motorrad liegen geblieben ist.

Kette_Alexej_web

Wir können Alexej mit unserem Werkzeug bei einer Reparatur aushelfen.

Wer nur eine Panne hatte, der darf sich zu den Davongekommenen zählen, denn diese Straße fordert viel zu oft auch Leben. Immer wieder Kreuze, Blumenkränze, Gedenksteine, nicht selten im Kilometertakt am Straßenrand, jeder dieser Hinweise auf ein Unglück betrauert mindestens ein Opfer. Was zählen da unsere kleinen Schrammen und Zerrungen. Der Körper hat immer noch nicht begriffen, was da in den letzten zweieinhalb Wochen passiert ist. Und die sechs Zeitzonen haben den Verstand auch noch nicht erreicht.

Der sibirische Highway nimmt aber nicht nur, er gibt auch. Wie die ewigen Landschaften, durch die er führt. Und immer wieder schmeißt er Begegnungen dazwischen. Diese Zusammentreffen sind meist nur Fragmente, die aber den Kopf lange bereichern. Wie das Treffen mit Valerij dem »Watch-Man« an der New Orient Gastiniza zwischen Novosibirsk und Kansk, der in der Nacht unsere Motorräder nicht aus den Augen gelassen hat. Oder eben Alexej, der dankbar bei unserem Werkzeug zugriff, um die abgesprungene Kette, wieder auf das Ritzel zu heben. Und da war da noch Andrej, der so begeistert von unserer Tour und den Motorrädern war, dass er uns sein Taschenmesser schenkte – für alle Fälle.

Diese Art der Begegnungen wird es nun nicht mehr geben. Das nächste Ziel, die Mongolei, ein anderes Land, andere Menschen und eine andere Weite.

geschrieben von am Donnerstag, den 6. Juni 2013

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