Beitrags-Archiv für die Kategory 'Allgemein'

Eight Nights in Bangkok – das Ende einer Reise

Mittwoch, 24. Juli 2013 10:59

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Bangkok. Wir wurden schon vor der Reise gewarnt, dass dieser Mann verrückt sei. Und es stimmt. Perra ist verrückt, das jedoch in einem überaus positiven Sinn und er hat ein großes Herz. Vor allem wenn es um Motorräder und Reisen geht, dann kennt Perra keine Limits. Der Chef von Touratech Thailand ist ein Energiebündel und Motorradfahren ist seine Passion. Dinge lässt er nicht lange liegen, er packt sie an und erledigt sie. Wie die Abwicklung der formalen Angelegenheiten für die Ausreise der Motorräder. Perra und sein Mitarbeiter Panote sind unser Heilmittel gegen den bürokratischen Wahnsinn einer südostasiatischen Zollabfertigung.

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Vor Reisebeginn hatte ich Perra per Mail gefragt, ob wir bei Touratech Thailand in einer Ecke unsere BMWs in eine Kiste packen können. Die euphorische Antwort hätte mich ahnen lassen müssen, was uns in Bangkok erwartet. Perra und Panote haben die thailändische Bikerszene angekurbelt, sich die beiden Typen anzusehen, die von Deutschland mit dem Motorrad nach Bangkok gekommen sind. Wir hatten das lockere „Hallo“ einiger südostasiatischen Zweirad-Enthusiasten erwartet.

Was macht Perra? Er hat unser Erscheinen zum Anlass genommen, das zweite Travel Event von Touratech Thailand zu initiieren. Mehr als 100 Biker erscheinen und gewähren uns einen intensiven Einblick in die thailändische Zweiradszene. Coole Burschen, einige von ihnen auf dem Sprung eine größere Tour in Angriff zu. Das Travel Event ist einer dieser besonderen Nachmittage, die durch die Geschichten und netten Plaudereien lange in Erinnerung bleiben. Dazwischen tauchen immer wieder Fragen zu den Motorrädern auf. Die sonst von der GS 1200 durchtränkten Szene, will alles über die F 800 wissen. Die gefahrenen Kilometer , der Verbrauch, der Reifenverschleiß, die Defekte – alles ist von Interesse.

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Zwei Tage später der nächste Akt. Das Verpacken der BMWs für die Heimreise. Wieder ist alles vorbereitet und organisiert. Die Kiste vorgefertigt und die Jungs vom Sea-Air Packing Service arbeiten effizient. Drei Stunden später sind die Bikes in der Box und die nötigen Dokumente für den Zoll längst auf dem Weg. Auch wir werden uns schon bald auf den Weg machen. Per Flieger. Ganze zwei Monate waren wir mit den „Mopeds“ unterwegs. Jetzt geht es zurück durch die Luft, in nicht einmal 24 Stunden. Das war es also! Neun Länder, 69 Tage, 16.000 Kilometer, eine Million Eindrücke.

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Neulich auf einer Straße in Vietnam

Mittwoch, 17. Juli 2013 12:41

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Vietnamesischer Tiertransport.

Vietnam ist anders. Fremd und außergewöhnlich. Sollte dieses Land jemals der EU beitreten, müssen sich europäische Spediteure etwas einfallen lassen. Die Kreativität und der Einfallsreichtum beim Transport von Waren sind in Vietnam einmalig. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich schon einiges gesehen. Kleine Skooter und Mopeds beladen bis an die Grenzen ihrer physikalischen Möglichkeiten. Das von den Herstellern angegebene zulässige Gesamtgewicht wird lediglich als Vorschlag gewertet.

 Als dieses Gefährt jedoch mit knapp 60km/h an mir vorbei rauschte, hat es mich fast ins Reisfeld gehauen. Vier Schweine (lebend) und ein Fahrer auf einem zweirädrigen Ding. Wie diesem einen Zylinder 60 km/h entrissen werden, keine Ahnung. Aber auch das ist Vietnam. Es gibt dort Dinge, die sich mit westlichem Verständnis nicht fassen lassen.

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Optimale Packungsdichte: besser geht es kaum.

Trotz der Eile hat sich der Spediteur die Zeit für ein „Photoshooting“ genommen und meine aufgeregte Neugier mit asiatischer Gelassenheit ertragen.

Übrigens: Die Tücher am Hinterteil der Schweine erfüllen einen nicht unwichtigen Zweck. Verlangt es den Tieren während der Fahrt nach „Harmonie“ verhindern diese Lappen, dass die Schweine dem Fahrer direkt ans Bein pinkeln – oder Schlimmeres – können.

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Fatale Langzeitwirkung

Samstag, 13. Juli 2013 2:07

Auch im Klassenraum dabei - Onkel Ho.  Klassenraum. Gelernt wird unter dem

Auch im Klassenraum dabei – Onkel Ho (Bild links).

Minhs Leben ist Dunkel. Der Junge kam blind zur Welt. Verursacht ist seine Behinderung durch Agent Orange. Selbst 40 Jahre nach dem Vietnam-Krieg ist dieses Teufelszeug immer noch aktiv. Tonnenweise versprühten die Amerikaner das dioxinhaltige Entlaubungsmittel über das Land. Das Gift machte den Dschungel kahl. So sollte dem Vietcong die Deckung genommen werden. Bis heute nimmt es vielen Vietnamesen ein unversehrtes Leben. Fast ein halbes Jahrhundert nach dem Einsatz hält sich Agent Orange immer noch in der Umwelt. Dort wo es eingesetzt wurde, ist die Belastung der Menschen immer noch enorm. In dem Land werden überdurchschnittlich viele Menschen mit Behinderungen geboren – nicht alle, aber viele dieser Behinderungen sind auf das Gift Agent Orange zurückzuführen.

Der Schlafsaal muss auch als Aufenthaltsraum und Spielplatz herhalten.

Der Schlafsaal muss auch als Aufenthaltsraum und Spielplatz herhalten.

Dabei hat Minh noch Glück. Minh lebt in einem Heim in Hai Duong, 30 Kilometer östlich von Hanoi. Er hat die Chance auf Bildung und die Möglichkeit einen Beruf zu erlernen, was ihm später ein unabhängiges Leben ermöglichen wird. Doch Minhs Zukunft und die 59 weiterer behinderter Kinder im Alter zwischen vier und 17 Jahren ist wackelig, weil das Gebäude, in dem das Heim untergebracht ist, wackelt. Das Haus ist dabei, in zwei Teile zu fallen. Überall Risse und täglich werden es mehr. Die gesamte Substanz bröckelt, und die Mauern stehen nur noch aus purer Gewohnheit an dem Platz, an dem sie immer standen. Ein Zustand, der sich aber schnell ändern kann. Zwei der Kinder wurden schon durch herabfallende Steine verletzt.

»Sie sehen die Gefahr nicht«, erklärt Jürgen Eichhorn. Der Deutsche, der seit Ende der 90er-Jahre in Vietnam lebt, kümmert sich um die Kinder. Organisiert und besorgt, was nötig ist. Irgendwie. Jürgen betreibt hauptberuflich eine Reiseagentur und ein italienisches Restaurant in Hai Duong. Doch mehr als die Hälfte seiner Zeit kümmert er sich um »seine« Hilfsprojekte und das Heim in dem Minh lebt, steht im Moment ganz oben auf der Liste. »Wir müssen uns beeilen, denn über kurz oder lang wird das Haus einstürzen«, zeigt sich Jürgen besorgt. An die Folgen, sollte das Gebäude kollabieren, will er gar nicht denken.

Ein Bett, ein Ventilator und eine Kiste, mehr steht den Kindern nicht zu Verfügung.

Ein Bett, ein Ventilator und eine Kiste, mehr steht den Kindern nicht zur Verfügung.

Die beste und schönste Lösung wäre ein Neubau, behindertengerecht, denn das alte Gebäude ist alles andere als optimal. Neben der bröckligen Substanz macht sich überall an den Wänden Schimmel breit. Der Schlafsaal der Kinder ist zugleich Spielplatz und Aufenthaltsraum. Armselige Bedingungen, um sich auf das Leben vorzubereiten. Doch in dem tristen Äußeren findet sich Freude. Die Kinder sind von einer lebhaften Neugier und freuen sich über Besucher. Scheu vor Fremden kennen sie nicht. Jeder Gast wird sofort vereinnahmt und integriert, und selbstbewusst zeigen sie ihm was sie gelernt haben.

Der Neubau ist seit einigen Tagen nicht mehr pure Fiktion. Die Stadt Hai Duong hat ein Grundstück zur Verfügung gestellt. Ein vielversprechender Anfang für ein neues Heim. Und natürlich ist Jürgen Eichhorn längst schon dabei, die erforderlichen Mittel für den Bau aufzutreiben.

Thanh träumt von einem Ort, an dem er seine Bilder den Menschen zeigen kann.

Thanh träumt von einem Ort, an dem er seine Bilder den Menschen zeigen kann.

Am kommenden Tag fahren wir aufs Land. Jürgen möchte uns ein weiteres »Projekt« zeigen, um das er sich zusammen mit Studenten vom »Kindness-Club« kümmert. Die jungen Mitglieder dieser Vereinigung spenden ihre Freizeit für arme und kranke Menschen. Unterstützt werden sie nicht, nur ihre Lehrerin spornt sie an, Gutes zu tun.
In einem der unzähligen Dörfer lebt ein junger Mann. Ebenfalls behindert, ebenfalls ein Opfer von Agent Orange, aber ausgestattet mit einem Talent. Bis zu seinem 12. Lebensjahr war Thanh ein normaler Junge. Aber mit der Pubertät fing es an. Die Knochen wurden brüchig seine Gelenke versteiften sich. Heute kann der 29-jährige Thanh nur noch stehen oder liegen. Gehen ist selbst mit Krücken kaum möglich. Aber Thanh malt, projiziert Landschaften auf die Leinwand, manchmal sind diese real, manchmal entspringen sie seiner Fantasie. Sein Vater ist Bauer, hat im Krieg auf der Seite der Nordvietnamesen gekämpft und kam mit Agent Orange in Kontakt.
Dann und wann verkauft Thanh eines seiner Werke. Mit dem Geld kann er sich das Material für neue Bilder kaufen und zu seinem Lebensunterhalt beitragen. Der junge Künstler träumt von einem »Showroom«, einen Ort, wo er den Menschen seine Bilder zeigen kann. Jürgen hat auch in dieser Sache längst schon die Fühler ausgestreckt, nutzt seine Kontakte und lässt Beziehungen spielen. Eine virtuelle Ausstellung wird es schon in Kürze auf Jürgens Webseite geben. Dort wird er Fotos von Thanhs Bildern einstellen, um seine Werke auch einem internationalen Publikum vorzustellen. www.aea.vn/german

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Geschafft !!!

Dienstag, 9. Juli 2013 15:14

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Knapp 15.000 km! Ziel erreicht! Done the job! ; )

Huyen_Lothar

Lothars Traum hat sich erfüllt, er hat Huyen getroffen.

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Wartesaal statt großer Bahnhof

Samstag, 6. Juli 2013 8:16

Wegbegleiter auf dem Weg nach Hanoi.

Wegbegleiter auf dem Weg nach Hanoi.

Herr Thang ist ein wichtiger Mann. Der vietnamesische Zöllner entscheidet, wer in sein Land darf und wer nicht. Sein Amt hat ihn bisher nicht verführt, keine Arroganz, keine Überheblichkeit, wie sie manchmal an Grenzen zu spüren ist. Sein Wesen ist von einer höflichen und hilfsbereiten Art, die mit einer ordentlichen Portion Geschäftstüchtigkeit gepaart ist. Die Rede ist hier nicht von Korruption von einer extra Zuwendung für eine Tätigkeit, für die er ohnehin bezahlt wird. Dafür ist Herr Thang viel zu gewissenhaft. Seine Nebentätigkeit ist das Tauschen von Geld. An so einem Ort entscheiden Angebot und Nachfrage über den Kurs. Und da unser Verlangen nach vietnamesischen Dong groß ist, und allein Herr Thang diese Nachfrage stillen kann, fällt der Umtauschkurs natürlich zu seinen Gunsten aus.

Auch seine Arbeit ist effizient. Keine 10 Minuten und wir sind durch. Wir, aber nicht die Motorräder. Da gibt es Probleme, die sind nicht unerheblich. Die beiden 800er sind viel zu groß, unsere Führerscheine werden in Vietnam nicht anerkannt, und auch die deutschen Zulassungen sind in diesem Land nicht gültig. Unser Schreiben von der vietnamesischen Botschaft in Berlin findet beim Zoll zwar Beachtung, aber keine Zustimmung. Dabei war alles vorbereitet. Die Genehmigungen liegen vor, die Einreiseerlaubnis für die BMWs wurde erteilt. Eine Menge Leute sind involviert, wichtige Menschen in hohen Ämtern. Alle wissen sie Bescheid, nur Herr Thang und seine Kollegen haben keine Ahnung.

Warten auf Genehmigungen am Grenzübergang bei Dien Bien Phu

Warten auf Genehmigungen am Grenzübergang bei Dien Bien Phu

Der Grund für die Ahnungslosigkeit liegt in unserem Kurswechsel. Geplant war in Lao Bao von Laos nach Vietnam einzureisen, viel weiter südlich. Dort hätten sie von uns gewusst, und wir wären wahrscheinlich ohne Schwierigkeiten mit den Motorrädern über die Grenze gekommen. Aber in Dien Bien Phu weiß man von nix und Herr Thang muss sich an die Gesetze halten, wie er immer wieder betont.

Wollen wir mit den Motorrädern nach Vietnam, müssen alle noch einmal ran, damit Herr Thang zufrieden ist. Die vietnamesische Botschaft in Berlin, das Außen-, Verkehrs- und Transportministerium in Hanoi, nicht zu vergessen sie örtliche Polizei muss über uns in Kenntnis gesetzt werden. So etwas geht nicht in paar Stunden. Herr Thang ist zuversichtlich, dass er morgen die Genehmigung in den Händen hält. Ich rechne mit übermorgen, letztendlich werden es 3 Tage sein. Wird dürfen einreisen, die Motorräder müssen an der Grenze bleiben.

Dien Bien Phu nimmt uns dankbar auf. Guesthouses, Cafés und Restaurants gibt es viele. Die Stadt ist ein guter Ort um Zeit abzuspulen. Zwischen Gebäck und Tee nehmen wir immer wieder Kontakt mit Herrn Thang auf, fragen den Status ab. Jedes Mal klingt seine Stimme zuversichtlicher. Dann der erlösende Anruf: “I got the permission, you can go.” Zwei Stunden später fahren wir durch Dschungel und Reisfelder. Wir sind in Vietnam und wir sitzen auf unseren Motorrädern.

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Die Halle der Harmonie

Montag, 1. Juli 2013 16:31

Öffentliche Toilette in China. An solch einem Ort verhängt der Körper freiwillig eine Ausgangssperre

Öffentliche Toilette in China. An solch einem Ort verhängt der Körper freiwillig eine Ausgangssperre

Wenn Chu zum Klo muss, spricht er immer von der Halle der Harmonie. Unser Guide in China ist stets um Ausgleich bemüht, um die Einigkeit von Yin und Yang, alles in einem harmonischen Fluss zu halten, beim Umgang mit Menschen, wie beim Gang zur Toilette. Trotz seiner jungen 28 Jahre, ist Chu ein weiser Mann, kennt sich aus im Leben und mit Menschen. Der Ruf der Natur, bei uns eher ein unappetitliches Thema, ein Geschäft, das erledigt werden muss, betrachtet er – wie fast alles – auf chinesische Weise, immer etwas philosophisch. Den Körper wieder in Einklang zu bringen, den Ballast abzuwerfen, den er nicht mehr braucht, ihn zu entlasten, die Harmonie wieder herzustellen. Ein völlig anderer Ansatz dieses Bedürfnis zu betrachten. Ein Bild, das in „Notsituationen“ helfen kann, die Not zu lindern.

Um dem Körper wieder seine Ausgeglichenheit zu geben, braucht es einen geeigneten Ort, ein Rückzugsgebiet, das auch eine gewisse Bequemlichkeit offeriert. Chinesische Toiletten sind dazu nicht immer geeignet, vor allem nicht die, die öffentlich zugänglich sind. Intimsphäre gibt es in diesen Räumen keine und auch die Sauerstoffsättigung im Blut erreicht – durch die äußeren Umstände – schnell einen kritischen Wert. Die fehlende Keramik bietet aber einen unschätzbaren Vorteil, alle Körperteile bleiben unberührt. Kein Deckel, keine Brille, kein Spülknopf, nur das Loch im Boden. Wer nicht unbedingt muss, ist schnell geneigt dem Körper die geforderte Harmonie zu verweigern. Aber es gibt auch Umstände, wo der Ruf der Natur nur allzu nachdrücklich ist. In diesem Fall hilft nur eins – Augen zu, Atmung einschränken und die Sache schnell erledigen.

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Durch das Reich der Mitte

Dienstag, 25. Juni 2013 16:34

Der Glockenturm in Xian.

Der Glockenturm in Xian.

Der Glaube zählt. Wer so fährt, der muss an die Wiedergeburt glauben, nach einer neuen, besseren Existenz nach seinem jetzigen Leben streben. Der Straßenverkehr ist eine Bereicherung für alle, die mit Ordnung verwöhnt wurden. Ein Refugium, an dem es Meinungsfreiheit gibt und ein gewisser Hang zur Anarchie vorhanden ist. Auf diesem Terrain kann jeder in China seine Gedanken ausleben und offen vertreten. Wer der Meinung ist, es wäre gut für ihn im Dunkeln, ohne Licht mit seinem Fahrzeug im Gegenverkehr herumzustochern, kann das tun, ohne von jeglicher Ordnungsmacht behelligt zu werden. Nur sich selbst – und dem Gegenverkehr – ist er Rechenschaft schuldig. Und da kommt die Sache mit der Wiedergeburt ins Spiel. Diese Erkenntnis – sicher nicht repräsentativ – ist mein Resultat nach 2300 Kilometern auf Chinas Straßen.

 Dieses Land überrascht! Die Menschen sind freundlich, ihren Besuchern treten sie aufgeschlossen und neugierig entgegen, haben keinerlei Scheu vor Kontakt. Sprachlich reicht es meistens nur für ein „Hello“ oder „Welcome to China“ aber die Herzlichkeit der Begegnungen bleibt lange haften. Selbst das Verbotene wird toleriert – manchmal. Die Highways in China sind für Motorräder tabu. Warum? Zu gefährlich lautet die Begründung. Nach mehr als 1000 Kilometer in dieser Sperrzone, wage ich zu behaupten, die Highways sind der sicherste Weg, um sich im Reich der Mitte im Straßenverkehr fortzubewegen. Entspanntes Fahren, wenig los, und am Rand, hinter den Leitplanken, stehen Händler, die Früchte verkaufen. Das Gegenteil dazu, die staatlichen Straßen. Mit Quereinsteigern aus Seitenstraßen ist immer zu rechnen, das Leben auf diesen Routen ist quirlig und spannend. Auf sein Recht zu pochen, bringt nicht viel. Recht hat derjenige, der sich gerade in der besseren Ausgangsposition befindet. Was für Lkw immer gilt.

Weltkulturerbe Terrakotta-Armee: Mehr als 1100 Soldaten aus Ton, um die Macht im Jenseits zu sichern.  Weltkulturerbe,die  Terrakotta Armee

Weltkulturerbe Terrakotta-Armee: Mehr als 1100 Soldaten aus Ton, um die Macht im Jenseits zu sichern.

Das wir es geschafft haben mit unseren Motorrädern mehr als 1000 Kilometer auf den „verbotenen“ Highways zu fahren, verdanken wir Cho. Unser Guide ist von einer redseligen Hartnäckigkeit, wenn er mit Offiziellen spricht. Nicht immer ist es gelungen an den Mautstellen die Polizei zu überreden und einmal wurden wir auch „vom Platz gestellt“, aber die Tendenz ein Auge zuzudrücken, ist durch aus vorhanden.

 

Auf dem Weg nach Laos liegen kulturelle Highlights. Die Stadt Xian hat einige davon. Die alte Stadtmauer, der Glockenturm und draußen vor der 8 Mio. City, die Terrakotta Armee, ein Weltkulturerbe. Der Ort wir jeden Tag angegriffen, von Tausenden Touristen. Neben der „Großen Mauer“ der „Verbotenen Stadt“ und den Pandabären, einer der Anziehungspunkte für China Besucher. Wer die Tonsoldaten sehen will, muss kampfbereit sein, sich durchsetzen, um bis zur Absperrung zu gelangen. Die Waffen der Gegner sind Regenschirme, Gruppendynamik und die trommelfellzerfetzende Tonlage der Guides. Sie schreien unablässig – so vermute ich – die geschichtlichen Daten in die Menge. Eine pauschale Überlegenheit, die nichts anderes zulässt, als darauf zu warten, dass die Gruppe abzieht.

Inzwischen haben wir Chengdu erreicht. Bis zur laotischen Grenze sind es noch 1500 Kilometer. Die werden wir auf den „normalen“ staatlichen Straßen zurücklegen, denn die werden – so sagte Cho – eine größere Bereicherung sein, als die Highways.

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Ni hao China

Dienstag, 18. Juni 2013 3:14

Auf dem Markt in Erenhot warten die Spediteure auf Aufträge. .

Auf dem Markt in Erenhot warten die Spediteure auf Aufträge. .

Zwischen Ulaan Baatar und der chinesischen Grenze liegt das Nichts. Wieder eine dieser Unendlichkeiten, durch die wir in den letzten Wochen gekommen sind. Dieses Nichts ist anstrengender als die anderen, denn es hat keinen festen Untergrund. Bis Ulaan Baatar waren wir – von einigen schotterigen Ausnahmen einmal abgesehen – immer auf Asphalt unterwegs. Was uns auf den nächsten 700 Kilometern bis zur Grenze erwartet, bleibt unklar. Von einer neuen Straße sprechen die Mongolen, gerade fertiggestellt. Schnell ist der Zeitplan im Kopf zurechtgelegt, die Kilometer eingeteilt und eigentlich sind wir schon in China – easy going! Eine schöne Vorstellung, die aber nicht der Realität entspricht. Bis Chior ist alles prima. Die versprochene Teerdecke Richtung Süden vorhanden. Doch nach diesem Ort bricht alles zusammen. Was folgt, ist eine Baustelle, die sich über fast 200 Kilometer hinzieht. Der Asphalt existiert, neu, frisch aufgelegt und noch pechschwarz. Die Straße ist aber noch nicht freigegeben. Ärgerlich, denn wir poltern wenige Meter neben dieser ebenen Fläche auf einer mit Schlaglöchern verpickelten Piste.

Barrieren blocken jeden Versuch ab, dieses jungfräuliche Asphaltband zu erreichen. Nur dann und wann gelingt uns ein Sprung auf die Straße, doch Absperrungen oder Bauarbeiter werfen uns immer wieder zurück auf die staubige Piste. Ständig wird an dieser Straße gebastelt. China braucht neue Vertriebswege und diese Strecke quer durch die Mongolei ist die kürzeste Verbindung nach Russland. Ein Absatzmarkt, den die Händler im Reich der Mitte gerade intensiv erschließen. Was bremst ist die schlechte Verbindung. Zwar wir intensiv gebaut, aber über weite Passagen kommen die großen Lkw, die bis zu 60 Tonnen an Waren transportieren, über Schrittgeschwindigkeit nicht hinaus. Das letzte Stück ist das schwierigste. Vor dem mongolischen Grenzort Zamyn Uud schlägt die Gobi noch einmal zu. Es wird sandig. Der weiche Untergrund verzögert weiter. Schon zweimal haben wir mit dem Guide, der an der chinesischen Grenze auf uns wartet, telefoniert. Bei jedem Gespräch mussten wir unsere Ankunft auf eine spätere Tageszeit verschieben.

Zamyn Uud enttäuscht nicht. Keine Zutat fehlt. Grenzorte wie dieser haben ihr eignes Ambiente. Die Straßen sind abgenutzt vom ständigen Kommen und Gehen. Lkw hängen in den Straßen herum. Die Fahrer atmen noch einmal durch, bevor es auf die Piste geht. Dieser Weg wird ihnen nichts schenken. Den Papierkrieg, den dieser Länderwechsel fordert, haben sie gerade hinter sich gebracht. Vor ihnen liegt nun ein endloses Wippen durch die Ausläufer der Gobi-Wüste.

Nur noch der Bürokratismus trennt uns von China. An solchen Grenzen wird das Leben gedehnt. Selbst Augenblicke besitzen an derartigen Orten eine Ewigkeit. Es geht vorbei an Dutzenden ausgelutschter Lkw, deren Fahrer diese Prozedur schon zigmal hinter sich gebracht haben. Fast alle dieser Ruß werfenden Ungetüme sind leer, sie sind auf dem Weg zurück, um wieder Nachschub heranzuschaffen.

Cho´´s - Roadbook für unsere Tour durch China.

Cho´´s – Roadbook für unsere Tour durch China.

An solch einem Punkt sind alle gleich. Ausnahmen gibt es nicht. Das Ritual ist festgeschrieben. Wer Beziehungen hat, kann es höchstens beschleunigen. Aber der Laufzettel taktet jeden, der über die Grenze will. Fehlt ein Stempel, geht es nicht weiter. Und solch ein Ritual kann dauern, vor allem, wenn es aus dem Trott gerät. Unsere Motorräder und unsere Nationalität sind Fremdkörper im bürokratischen Ablauf und so etwas verlangt nach höherer Sorgfalt. Aber auch solche Herausforderungen werden von den mongolischen Zöllnern bewältigt. Und dabei verlässt nie der Ausdruck von Gelassenheit ihr Gesicht.

Dann China! Schon im ersten Moment bin ich positiv enttäuscht. „Welcome to China“ sind die ersten Worte des jungen Soldaten, der uns stoppt. Ich sehe keine finstere Mine, sondern ein ehrliches Lachen und zwei Augen, die gierig jedes Detail am Motorrad aufnehmen. Auch an der nächsten Station wird es nicht schlechter. Dort nimmt uns Cho in Empfang, dessen Erleichterung über unsere Ankunft deutlich zu erkennen ist. Kameras werden gezückt, Photo-Shooting mit den Zöllnern. Der ganze Ablauf wird begleitet von Leichtigkeit. Höflich und immer freundlich Fragen die Beamten nach Details der Motorräder, werfen einen sporadischen Blick in die Koffer – das war es. Fertig!

Der Akt der Einreise ist aber nicht zu Ende. Es fehlt noch eine Genehmigung, die es uns erlaubt, die Motorräder auf chinesischen Straßen zu bewegen. Heute ist der dritte Tag und in dieser Sache hat sich bisher nichts getan. Unser Guide kämpft verbissen um den letzten Stempel. So sei das in China, sagt er immer wieder. Diese Warteschleife gibt uns die Möglichkeit, mit dem „Reich der Mitte vertrauter zu werden. Nach drei Tagen werden wir, die „Laowai“ (Langnasen), auf dem Markt schon von den Händlern mit einem herzlichen „Ni hao“ und einem Lächeln begrüßt.

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Drecks Leben

Mittwoch, 12. Juni 2013 8:44

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Munkhzorig kennt nur Dreck. Sein junges Leben lang hat er nicht viel anderes gesehen. Den ganzen Tag wühlt er darin, nicht weil es ihm Spaß macht, er tut es, weil er es muss. Obwohl der neunjährige Junge nicht viele Perspektiven hat, will er leben.

Munkhzorig gehört zu den Trash-Kids, die die Müllhalde von Ulaan Baatar nach Verwertbarem durchwühlen, nach etwas das sich noch zu Geld machen lässt, obwohl es niemand mehr haben wollte. Eine Schule hat Munkhorzig bisher nicht besucht und wird es auch wohl nie. Dazu lässt ihm sein Leben keine Zeit. Er muss essen und dafür braucht er Geld. Ein bis zwei Dollar schafft er am Tag. Das Geld, das er mit Müll verdient, reicht gerade für Brot und wenn es gut läuft, reicht es auch noch für etwas mehr. Seit dem er laufen kann, durchkämmt der Junge die Halde nach Plastikflaschen, Dosen, Metall und alten Kabeln, nach Dingen die noch einen Wert haben, wenn auch minimal.

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Ein hartes und ungesundes Leben. Bisher hat sich sein kleiner Körper gegen diese Bedingungen gewehrt, nun scheint er aufzugeben. Ein Parasit hat Munkhzorigs Magen befallen, der ihm das Größerwerden schwer macht. Seine Atemwege sind erkrankt und die Augen leiden unter einem Infekt. Und nun steht er unten am Eingang der Deponie und wartet geduldig, wartet auf ein Auto, das ihm Linderung verschafft.

Die Hilfsorganisation World Vision hat für die Menschen, die auf der Müllhalde leben, eine mobile Praxis eingerichtet. Die Ärzte, die ein- bis zweimal die Woche vorbeischauen, behalten besonders die Kinder im Auge, tun was sie können, damit sich Krankheiten nicht ausbreiten, wie der Parasit, in Munkhzorigs Magen. »Unter diesen Bedingungen ist es schwer wieder gesund zu werden«, sagt Thiru, der Leiter von World Vision Mongolia. Was da zu sehen ist, wollen an Wohlstand gewöhnte Augen nicht begreifen, und auch der Kopf hat es schwer, diese Umstände als lebbar zu akzeptieren.

Selbst der Müll hat Strukturen, die es Munkhzorigs nicht leichter machen. Nicht nur Kinder durchwühlen die Hinterlassenschaften der Stadt. Auch Dutzende Erwachsene existieren vom Müll. Selbst im Dreck gibt es Hierarchien, und den Kindern bleiben oft nur die Reste von den Resten. Munkhzorigs Eltern haben sich kaum um ihn gekümmert, sie waren selbst zu sehr damit beschäftigt, zu überleben.

Es gibt auch Hoffnungsschimmer

Aber es gibt auch Dinge, die die Seele wieder beruhigen und trösten. Lothar und ich haben mehrere Projekte in Ulaan Baatar besucht, die von World Vision unterstützt werden. Es gibt auch Gutes zu sehen. Die »Schule Nummer 62« hat so etwas. 3000 Schüler lernen dort, in drei Schichten – vormittags, nachmittags und am Abend ist Unterricht. Daneben gibt es Workshops, wie den »Children Music Club«, wo Jungen das Spielen der Pferdekopfgeige lernen.

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Und da ist da noch die Schneiderei in der »Schule 107«. Die Schüler können dort Kleidung designen, nähen und mehrmals im Jahr ihre Kreationen einem breiten Publikum vorführen. Das Fotoalbum, das die Direktorin der »Schule 107« stolz präsentiert, offenbart so manches Talent.

Der Tag mit World Vision war ein gewaltiges Erlebnis. Er brachte Momente, die haften bleiben und nachdenklich machen. 600 Kinder warten in der Mongolei in den von World Vision unterstützten Projekten noch auf einen »Sponsor«, der ihnen eine Perspektive auf ein anderes – besseres – Leben verschafft. Nach der Rückkehr von dieser Reise werden es 599 Kinder sein.

Hinweis:

Jetzt geht es Richtung China. Wie es da mit einer Internet-Verbindung aussieht, lässt sich im Moment nicht sagen.
Da der Chinese die Kombination von Ausländern und Sat-Phones nicht mag, werden wir unser Himmels-Telefon im Reich der Mitte nicht benutzen, sind also auf Wifi-Verbindungen angewiesen. Sicher ist: Facebook gibt es nicht in China. Es könnte also in den kommenden zwei Wochen etwas ruhiger in diesem Blog zugehen.
Bleibt dran, wir melden uns sobald wie möglich.

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Die Steppen-Oase

Montag, 10. Juni 2013 15:44

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Ulaan Baatar, ein herbeigesehnter Ort. Nicht die Stadt selbst, mit ihren 1,5 Mio. Einwohnern und dem nie endenden Verkehrschaos. Der herbeigesehnte Ort ist das Oasis am Rand der Metropole. Das Guesthouse ist eine gute Position, um für ein paar Tage den Anker zu werfen. Und wie bei meinem letzten Besuch ist es auch diesmal fast so, als würde ich nach Hause kommen. Kaum etwas hat sich verändert, alles ist noch so, wie in meinen Erinnerungen. Nichts fehlt, die Herzlichkeit, die Ruhe und die Menschen, alles ist noch da, Sibylle die Managerin, Boldro die Köchin und die anderen Mitarbeiter. Schon zweimal war ich in dieser Oase. Das letzte Mal 2011, zusammen mit Claudia auf der Reise nach Magadan.

Jetzt bin ich wieder hier. Und doch gibt es eine Veränderung, die zwangsläufig passieren muss – die Gäste haben gewechselt. Neue Gesichter, neue Geschichten, neue Philosophien. Alle interessant, alle hörenswert. Wie die von Dimitri, der in Seattle lebt. Ein Extremist wenn es ums Reisen geht. Sein Anspruch – die Welt zu umrunden aus eigener Kraft. »Human powered«, wie Dimitri es nennt. Die einzigen Hilfsmittel die er sich bei dieser Strapaze gönnt, sind Fahrrad, Schlitten oder Ruderboot (mit dem er den Atlantik überqueren will) – alles Dinge, die er mit seinen Muskeln bewegen kann. Die Beringstraße hat er schon im letzten Winter zu Fuß von Alaska nach Sibirien mit einem Schlitten hinter sich gebracht. 15 Tage habe er dafür gebraucht, den ersten Menschen habe er erst nach einem Monat wieder zu Gesicht bekommen. Jetzt sitzt er im Oasis und verstrickt sich mehr und mehr in bürokratische Prozesse. Kürzlich hat er geheiratet, und nun ist er dabei, die Einbürgerung seiner russischen Frau in die USA zu regeln. Im Moment ist er sich nicht sicher, was das größere Abenteuer ist, die Weltumrundung aus eigener Kraft, oder die Papierschlacht mit den amerikanischen Behörden. Fast drei Jahre ist er schon unterwegs und ein Drittel hat er erst geschafft. Wann er dieses Projekt abschließt wird, weiß Dimitri nicht. Er macht keine Pläne, nimmt es lieber wie es kommt.

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Kojis kleiner Sohn fühlt sich schon sichtbar wohl auf der GS.

Das Oasis ist auch ein guter Punkt um dem Motorrad wieder mehr Aufmerksamkeit zu schenken, von der es auf den letzten 9000 Kilometer zu wenig bekommen hat. Der fällige Ölwechsel und ein Satz neue Reifen. In den letzten drei Wochen mussten die beiden BMWs nur eins, funktionieren und den ein oder anderen Fahrfehler verzeihen. Eine Gegenleistung in Form von Zuwendungen gab es kaum.

Unterstützt werden wir bei der Wartung von Koji. Der Japaner, den es der Liebe wegen nach Ulaan Baatar zog, hat schon als Mechaniker bei der Dakar Rallye Autos wieder zusammen geschraubt. Jetzt hat er eine kleine Werkstatt direkt neben dem Oasis. An diesem Ort können wir uns an den Bikes austoben, die Technik wieder in Ordnung bringen. Wobei einige Mängel zum Vorschein kommen. Das übersehene Schlagloch kurz vor Ulaan Baatar blieb nicht ohne Folgen. Zwei dicke Dellen zieren nun Vorder- und Hinterradfelge. Wie mit diesem Missstand umgehen? Ausbeulen? So lassen, wie es ist? Ich habe beschlossen die Beulen in den Felgen zu ignorieren. Hatten sie doch bis jetzt keine negative Auswirkung auf das Fahrverhalten, nicht einmal ein Druckverlust in den Reifen war festzustellen. Darum wird mein Leben im Oasis bis zur Abreise am Mittwoch wenig rasant und aktionslos verlaufen. Kurz – es werden ruhige Tage.

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TOURENFAHRER