Die Stimme Sibiriens

Andreas Hülsmann hat sich gemeldet! Per Telefon. Immerhin über das russische Festnetz, was schon einen Fortschritt gegenüber der Kommunikationsinfrastruktur in der Mongolei darstellt, von wo er uns per Satellitentelefon berichtete.
Andreas und Claudia befanden sich zum Zeitpunkt des Anrufs in Tomtor. Mit geschätzten 200 Einwohnern kam den beiden das Nest angesichts der umgebenden Einsamkeit wie eine Metropole vor.
Gut 5000 Kilometern haben die beiden seit ihrem Aufbruch in der mongolischen Hauptstadt schon wieder abgespult.
Von Ulaan Baatar ging es zunächst über die neue Trasse nach Chita (RUS). Von hier weiter über Never in Richtung Yakutsk. Diese 1200 Kilometer lange Etappe wird Andreas und Claudia in Erinnerung bleiben: fast durchgängig Regen auf schlechter Piste.
Einen Aufenthalt in der sibirischen Großstadt Yakutsk haben sich die beiden geschenkt, stattdessen schwenkten sie auf den Kolyma Highway gen Osten.
Für die fahrerisch extrem anspruchsvollen Passagen der »Road of Bones« haben sich Claudia und Andreas mit Lukasz aus Polen, der auf einer 96er Super Ténéré unterwegs ist, und mit Richard und Anna zusammengeschlossen. Das Paar aus Schweden fährt einen Landcruiser, der bei schwierigen Furten gute Shuttledienste für das Gepäck leistet.
Auf den östlichen Teil der »Road of Bones« möchte Andreas verzichten und lieber die neue Trasse des Kolyma Highway befahren. Zu vage sind die verfügbaren Informationen zur »Old Summer Road«. Sehr zugewachsen soll sie streckenweise sein, die meisten Brücken sind wohl nicht mehr passierbar.
Doch was an solchen Informationen dran ist, lässt sich schwer verifizieren. Wichtigtuerei oder ernstzunehmender Hinweis? Sogar von einem frühen Wintereinbruch in Magadan, dem Ziel der Reise, war schon die Rede.
Bald werden es Claudia und Andreas selber wissen. Noch 1000 Kilometer trennen sie von der Stadt am Pazifik. Wenn alles gut geht, werden sie in einer knappen Woche dort sein. Und dann gibt’s hier auch wieder Bilder.
Wir drücken die Daumen und bleiben dabei – mit dem Satelliten-Tracking.
Andreas Reimar


