Ankunft in Magadan! Und nu?

Die letzten 600 Kilometer auf dem Kolyma Highway bis Magadan waren äußerst angenehm zu fahren. Die Piste ist in gutem Zustand und die bergige Landschaft bietet dem Auge viel Abwechslung. Ein Grund für die gute Piste dürfte das Gold sein. Ganze Flusstäler werden auf der Suche nach dem Edelmetall umgegraben. Im Osten Sibiriens wird die Welt neu gestaltet, nicht immer zu ihrem Vorteil. Ist ein Ort »abgegrast« zieht die Gemeinschaft der »Glücksritter« weiter. Was bleibt, sind eine ausgebrannte Landschaft, Abraumhalden und Geisterorte.
Umweltschutz ist eine Sache, die an diesem Ende der Welt noch nicht angekommen ist. Umweltschutz?, fragen die Russen hier. Warum? Sibirien sei so groß, die Natur könne diese kleinen Kratzer schon verkraften.
Wir sind nun fast eine Woche in Magadan. Von den 35 Grad Celsius auf der Road of Bones sind nur noch 15 Grad übrig geblieben. Mehrere Tage waren wir hin- und hergerissen zwischen Schiff, Flugzeug und einer Rückfahrt mit den Motorrädern. Fahren würde wieder 3000 Kilometer Piste bedeuten. Und der Herbst übernimmt hier bereits langsam die Gestaltung der Witterungsbedingungen. Auch sind die Reifen nicht mehr im besten Zustand, und die Kupplung der G 650 GS hat auf der Road of Bones ein wenig gelitten.
Verschiffen wäre eine Alternative. Eigentlich dauert eine Überfahrt von Magadan nach Wladiwostok sechs Tage und kostet 7000 Rubel bis 9000 Rubel pro Person (ca. 175 Euro bis 225 Euro). Der Transport für das Motorrad liegt bei 8000 bis 10000 Rubel (ca. 200 Euro bis 250 Euro) Dieses »eigentlich« hängt aber von mehreren Faktoren ab. Zunächst vom Wetter. Schwere See kann die Ankunft durchaus um zwei bis drei Tage verzögern. Oder es wird ein Zwischenstopp in einem anderen Hafen eingelegt, um weitere Fracht aufzunehmen.
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Und so können aus den sechs Tagen schnell auch 10 Tage oder sogar 15 Tage werden. Exakte Auskünfte sind nicht zu bekommen. Die Aussagen von den Dispatchern sind immer wage. Selbst eine genaue Abfahrtszeit ist ihnen kaum zu entlocken: »Sollte am Freitag ablegen, könnte auch Samstag werden, aber spätestens Montag fährt es nach Wladiwostok«, war die exakteste Aussage die wir bekommen konnten. Die Realität sieht wohl so aus: es gibt keinen genauen Fahrplan, die Schiffe legen dann ab, wenn genügend Ladung an Bord ist.
Dass es Preise für Passagiere gibt, heißt nicht, dass auch Passagiere mitgenommen werden. »Eigentlich« ist es verboten, dass Passagiere auf Frachtschiffen mitfahren. Aber unmöglich ist es nicht, zumindest nicht für Russen. Für Ausländer ist es weitaus hingegen schwieriger, eine Passage zu bekommen. Das letzte Wort in dieser Sache hat der Kapitän. Sein »Nein« oder »Ja« ist wie das Wort Gottes. Stimmt der Kapitän nicht zu, dann geht auch nichts.
Warum also nicht die Motorräder in eine Kiste packen und von Magadan direkt nach Deutschland schicken? Auch diese Möglichkeit haben wir in Erwägung gezogen. Aber die Zollabfertigung in Magadan scheint komplizierter als anderswo in Russland. Bis zu 14 Tage kann es dauern, bis alle Papiere fertig und gestempelt sind. Da der Transport über Wladiwostok läuft, könnte der Zoll auch dort gemacht werden, was aber wiederum unsere Anwesenheit dort notwendig machen würde. So müssten wir in diesem Fall über Wladiwostok und Moskau zurück nach Deutschland fliegen.
Wir haben uns letztendlich für den Rücktransport der Motorräder per Flugzeug bis nach Moskau entschieden. Diese Variante sieht zwar auf den ersten Blick wesentlich teurer aus, bei genauer Betrachtung aller Kosten, liegt der Mehraufwand jedoch im akzeptablen Bereich.
Wir sind nun dabei, den Preis für die Transportkiste auszuhandeln (den zweiten Tag schon) und über das Stadium »eigentlich« noch nicht hinausgekommen. Wir werden sehen.




