Beiträge vom August, 2011

Eine andere Welt in acht Stunden

Montag, 22. August 2011 7:54

Motorradtransport Moskau
Es war ein leichter Abschied aus Magadan. Es wird Herbst am östlichen Ende von Russland, die Temperaturen schaffen es nur noch selten in den zweistelligen Bereich. Dann, nach acht Stunden Flug, Moskau. 24 Grad Celsius, und alles läuft problemlos. Über Horizons Unlimited haben wir Kontakt zu Motospectr bekommen. Die Jungs sind großartig und uns eine große Hilfe.

Motorradtransport Moskau Motorradtransport Moskau Motorradtransport Moskau

Vom Abholen am Flughafen, über das Buchen eines Hotels, bis hin zum Zusammenbau der Motorräder in der Werkstatt, die Jungunternehmer waren nicht zu bremsen. Igor und seine Freunde haben gerade ein Unternehmen für den Vertrieb von Motorradausrüstung in Russland gegründet und sind dabei, dafür Partner in Deutschland zu suchen.
Jetzt stehen die Motorräder fahrbereit in der Werkstatt. Lediglich die Ausrüstung muss noch umsortiert werden und wir können wieder auf die BMWs steigen – endlich.

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Abflug aus Magadan

Donnerstag, 18. August 2011 10:45

Magadan
Wir sitzen im Flieger nach Moskau. Unsere Motorräder sind angeblich schon da. Mal sehen. Hier noch schnell ein paar Eindrücke aus Magadan: ein Blick über die Stadt, Relikte des Kalten Krieges, die »Mask of Sorrow« – eine Gedenkstätte für die Gulagopfer, und ein Blick ins Büro auf dem Flughafen. Bilder zum Vergrößern anklicken.

View over city Magadan Magadan
Mask of Sorrow Magadan Airport Magadan

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Ankunft in Magadan! Und nu?

Dienstag, 16. August 2011 8:48

Magadan

Die letzten 600 Kilometer auf dem Kolyma Highway bis Magadan waren äußerst angenehm zu fahren. Die Piste ist in gutem Zustand und die bergige Landschaft bietet dem Auge viel Abwechslung. Ein Grund für die gute Piste dürfte das Gold sein. Ganze Flusstäler werden auf der Suche nach dem Edelmetall umgegraben. Im Osten Sibiriens wird die Welt neu gestaltet, nicht immer zu ihrem Vorteil. Ist ein Ort »abgegrast« zieht die Gemeinschaft der »Glücksritter« weiter. Was bleibt, sind eine ausgebrannte Landschaft, Abraumhalden und Geisterorte.

Umweltschutz ist eine Sache, die an diesem Ende der Welt noch nicht angekommen ist. Umweltschutz?, fragen die Russen hier. Warum? Sibirien sei so groß, die Natur könne diese kleinen Kratzer schon verkraften.

Wir sind nun fast eine Woche in Magadan. Von den 35 Grad Celsius auf der Road of Bones sind nur noch 15 Grad übrig geblieben. Mehrere Tage waren wir hin- und hergerissen zwischen Schiff, Flugzeug und einer Rückfahrt mit den Motorrädern. Fahren würde wieder 3000 Kilometer Piste bedeuten. Und der Herbst übernimmt hier bereits langsam die Gestaltung der Witterungsbedingungen. Auch sind die Reifen nicht mehr im besten Zustand, und die Kupplung der G 650 GS hat auf der Road of Bones ein wenig gelitten.

Verschiffen wäre eine Alternative. Eigentlich dauert eine Überfahrt von Magadan nach Wladiwostok sechs Tage und kostet 7000 Rubel bis 9000 Rubel pro Person (ca. 175 Euro bis 225 Euro). Der Transport für das Motorrad liegt bei 8000 bis 10000 Rubel (ca. 200 Euro bis 250 Euro) Dieses »eigentlich« hängt aber von mehreren Faktoren ab. Zunächst vom Wetter. Schwere See kann die Ankunft durchaus um zwei bis drei Tage verzögern. Oder es wird ein Zwischenstopp in einem anderen Hafen eingelegt, um weitere Fracht aufzunehmen.

Magadan Magadan

Und so können aus den sechs Tagen schnell auch 10 Tage oder sogar 15 Tage werden. Exakte Auskünfte sind nicht zu bekommen. Die Aussagen von den Dispatchern sind immer wage. Selbst eine genaue Abfahrtszeit ist ihnen kaum zu entlocken: »Sollte am Freitag ablegen, könnte auch Samstag werden, aber spätestens Montag fährt es nach Wladiwostok«, war die exakteste Aussage die wir bekommen konnten. Die Realität sieht wohl so aus: es gibt keinen genauen Fahrplan, die Schiffe legen dann ab, wenn genügend Ladung an Bord ist.

Dass es Preise für Passagiere gibt, heißt nicht, dass auch Passagiere mitgenommen werden. »Eigentlich« ist es verboten, dass Passagiere auf Frachtschiffen mitfahren. Aber unmöglich ist es nicht, zumindest nicht für Russen. Für Ausländer ist es weitaus hingegen schwieriger, eine Passage zu bekommen. Das letzte Wort in dieser Sache hat der Kapitän. Sein »Nein« oder »Ja« ist wie das Wort Gottes. Stimmt der Kapitän nicht zu, dann geht auch nichts.

Warum also nicht die Motorräder in eine Kiste packen und von Magadan direkt nach Deutschland schicken? Auch diese Möglichkeit haben wir in Erwägung gezogen. Aber die Zollabfertigung in Magadan scheint komplizierter als anderswo in Russland. Bis zu 14 Tage kann es dauern, bis alle Papiere fertig und gestempelt sind. Da der Transport über Wladiwostok läuft, könnte der Zoll auch dort gemacht werden, was aber wiederum unsere Anwesenheit dort notwendig machen würde. So müssten wir in diesem Fall über Wladiwostok und Moskau zurück nach Deutschland fliegen.

Wir haben uns letztendlich für den Rücktransport der Motorräder per Flugzeug bis nach Moskau entschieden. Diese Variante sieht zwar auf den ersten Blick wesentlich teurer aus, bei genauer Betrachtung aller Kosten, liegt der Mehraufwand jedoch im akzeptablen Bereich.

Wir sind nun dabei, den Preis für die Transportkiste auszuhandeln (den zweiten Tag schon) und über das Stadium »eigentlich« noch nicht hinausgekommen. Wir werden sehen.

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Road of Bones

Dienstag, 9. August 2011 12:40

Road of Bones, Siberia

Mit Abstand war der erste Teil der Road of Bones der schwierigste Teil der Reise. Für 500 Kilometer haben wir vier Tage gebraucht. 500 Kilometer, die Claudia und ich nie allein hätten bewältigen können. Die ersten 256 Kilometer bis Tomtor sind noch in einem relativ guten Zustand. Dieser Teil wird noch instand gehalten, da über diese Trasse Tomtor und Omyakon versorgt werden.

Der Ort Omyakon war ein Highlight der Tour – der Kältepol der Erde. Minus 71,2 Grad Celsius wurden hier schon mal gemessen. Als wir dort waren, herrschten jedoch 35 Grad plus. Eine Hitze, bei der es schwer fällt zu glauben, dass hier die Temperatur trotz Erderwärmung auch heute auf minus 60 Grad Celsius fallen kann.

Road of Bones Kolyma Highway M56 Aldan/Siberia

Road of Bones: Bei einigen Brücken scheint es fast so, als würde jeder der die Strecke fährt, eine Holzlatte mitbringen. So bleiben die Brücken ein wenig länger in Takt. Der Kolyma Highway ist eine dreckige Angelegenheit. Der Staub meuchelt die Reißverschlüsse gerade zu dahin. In Aldan an der M56 bekommt die Super Ténéré unseres Begleiters Lukasz mit tatkräftiger Unterstützung der Einheimischen einen Service (v.l.n.r.). Bilder zum Vergrößern anklicken.

Jenseits von Tomtor holt sich die Natur die Road of Bones langsam zurück. Von den Russen wird sie nicht mehr genutzt, der Verkehr zwischen Yakutsk und Magadan läuft über den Kolyma Highway. Die Brücken verfallen langsam oder sind bereits zusammengebrochen.
Insgesamt gilt es, ein Dutzend Flüsse zu durchqueren. Die meisten sind unproblematisch, solange es nicht geregnet hat und die Wasserstände niedrig sind. Schwierigkeiten bereiten die Wasserlöcher, ungefähr 80 größere »Pfützen« müssen auf den 250 Kilometern zwischen Tomtor und dem Abzweig zum Kolyma Highway passiert werden – gefühlt waren es an die 1000. Viele dieser Potholes können nicht so einfach durchfahren werden, sie sind entweder zu tief oder zu schlammig.
Das Umfahren dieser Wasserlöcher war auf Grund des sumpfigen Untergrundes nicht immer unproblematisch. Am dritten Tag haben wir lediglich 70 Kilometer geschafft. Claudia und ich waren froh, dass wir Lukasz aus Polen mit seiner Ténéré sowie Anna und Richard aus Schweden, die in einem Landcruiser unterwegs waren, getroffen haben. Im Team ist es wesentlich leichter, die Motorräder

Omyakon, kältester Ort der Erde Geisterstadt Kardykchan crossroads M58 / M 56 Siberia

»The pole of cold«. In Omyakon wurde die bisher tiefste Temperatur gemessen: minus 71,2 Grad Celsius. Die Stadt Kardykchan musste Anfang der 90er Jahre wegen gravierender Versorgungsengpässe aufgegeben werden. Deprimierende Kilometerangaben: Straßenschild an der Kreuzung M56 / M58 (v.l.n.r.). Bilder zum Vergrößern anklicken.

Am Ende des ersten Teil der Road of Bones liegt Kardykchan. Eine Stadt, in der einmal an die 20.000 Menschen wohnten. Anfang der 1990er Jahre flohen die meisten Einwohner vor der Kälte. Die Gas-Lieferungen für das zentrale Heizkraftwerk blieben aus und es herrschte einer der strengsten Winter der letzten Jahrzehnte. Wer konnte, verließ die Stadt. Von denen, die es nicht schafften, sind einige in ihren Wohnungen erfroren. Die Menschen kamen nie wieder an diesen Ort zurück. Kardykchan ist seitdem eine Geisterstadt und verfällt immer mehr.
Von dort sind es dann noch 600 Kilometer bis Magadan. Eine Strecke, auf der sich der Kolyma Highway von seiner besten Seite zeigt.

Mehr zum letzten Abschnitt im nächsten Eintrag. In Magadan wird es dann so richtig spannend: wie kommen wir eigentlich zurück?

Details zur Route könnt ihr im Satelliten-Tracking nachverfolgen.

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Die Stimme Sibiriens

Mittwoch, 3. August 2011 16:50

Andreas Hülsmann meldet sich via Telefon aus Sibirien

Andreas Hülsmann hat sich gemeldet! Per Telefon. Immerhin über das russische Festnetz, was schon einen Fortschritt gegenüber der Kommunikationsinfrastruktur in der Mongolei darstellt, von wo er uns per Satellitentelefon berichtete.
Andreas und Claudia befanden sich zum Zeitpunkt des Anrufs in Tomtor. Mit geschätzten 200 Einwohnern kam den beiden das Nest angesichts der umgebenden Einsamkeit wie eine Metropole vor.
Gut 5000 Kilometern haben die beiden seit ihrem Aufbruch in der mongolischen Hauptstadt schon wieder abgespult.
Von Ulaan Baatar ging es zunächst über die neue Trasse nach Chita (RUS). Von hier weiter über Never in Richtung Yakutsk. Diese 1200 Kilometer lange Etappe wird Andreas und Claudia in Erinnerung bleiben: fast durchgängig Regen auf schlechter Piste.
Einen Aufenthalt in der sibirischen Großstadt Yakutsk haben sich die beiden geschenkt, stattdessen schwenkten sie auf den Kolyma Highway gen Osten.
Für die fahrerisch extrem anspruchsvollen Passagen der »Road of Bones« haben sich Claudia und Andreas mit Lukasz aus Polen, der auf einer 96er Super Ténéré unterwegs ist, und mit Richard und Anna zusammengeschlossen. Das Paar aus Schweden fährt einen Landcruiser, der bei schwierigen Furten gute Shuttledienste für das Gepäck leistet.
Auf den östlichen Teil der »Road of Bones« möchte Andreas verzichten und lieber die neue Trasse des Kolyma Highway befahren. Zu vage sind die verfügbaren Informationen zur »Old Summer Road«. Sehr zugewachsen soll sie streckenweise sein, die meisten Brücken sind wohl nicht mehr passierbar.
Doch was an solchen Informationen dran ist, lässt sich schwer verifizieren. Wichtigtuerei oder ernstzunehmender Hinweis? Sogar von einem frühen Wintereinbruch in Magadan, dem Ziel der Reise, war schon die Rede.
Bald werden es Claudia und Andreas selber wissen. Noch 1000 Kilometer trennen sie von der Stadt am Pazifik. Wenn alles gut geht, werden sie in einer knappen Woche dort sein. Und dann gibt’s hier auch wieder Bilder.
Wir drücken die Daumen und bleiben dabei – mit dem Satelliten-Tracking.
Andreas Reimar

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TOURENFAHRER