Bye, Bye Mongolei
Freitag, 22. Juli 2011 10:48

Das war’s. Wir müssen raus aus der Mongolei, unser Visum läuft morgen aus. Einen Monat waren wir nun bei den Töchtern und Söhnen der Steppe, viel länger als geplant. Aber es gab in diesem Land viel zusehen, viel zu erfahren und viel zu bequatschen.
Nach 10 Tagen konnten wir uns aus der Heimeligkeit des Oasis lösen und in die Endlosigkeit der Steppe eintauchen. Zunächst begleitet von Regen. Feuchtigkeit kann einem ein Pistenabenteuer der ganz besonderen Art bescheren. Aber so schnell wie die Pisten rutschig werden, trocknen sie auch wieder ab. Bis Tsetserleg gibt es durchaus Passagen, die asphaltiert sind. In Sachen Straßenbau tut sich in der Mongolei einiges.
Doch nach diesem Ort herrscht der Schotter über alle Pisten, die Landschaft rechts und links hügelig, fast schon bergig. Wir sind im Zentrum der Mongolei, auf fast 2000 Höhenmeter. Willkürlich verteilt liegen in der grün-braunen Steppe die Gers der Hirtenfamilien.
Wieder Regen in Tarlat am White Lake. Die Piste grob, steinig und von unzähligen 4WD Rädern durchwühlt. Es ist Nadam, das höchste Fest in der Mongolei und die Zeit, in der die Mongolen Urlaub machen. Entspanntes Fahren ist nicht möglich. Der Abend bringt Besserung, die Sonne kommt zurück. Der See ein landschaftliches Highlight, das zweifellos mit dem touristisch überfluteten Khövsgöl mithalten kann.
Nach dem See geht es hinauf zum Solongtyn Davaa, ein Pass mit knapp 2.600 Metern Höhe. Danach wird es schwieriger die Richtung zu halten, die Pisten verzweigen sich in einem Wirrwarr.
Erst der Ider Gol bringt Erleichterung, die Piste führt direkt am Fluss entlang, der den Weg nach Tosontsengel weist. Tosontsengel ist – obwohl Provinz-Hauptstadt der Region Dsawchan – nicht besonders groß und ziemlich grau, was den Ort nicht gerade einladend macht. Aber Tosontsengel ist die letzte Möglichkeit, vor Mörön Vorräte einzukaufen und den Tank aufzufüllen.
300 Kilometer sind es bis nach Mörön, die durch eine der einsamsten Gegenden der Mongolei führen. Der größte Teil der Strecke verläuft über ein Hochplateau, wo selbst die sonst so zahlreich in der Landschaft stehenden Gers selten und Orte wie Sogot nur eine winzige Ansammlung verfallener Häuser sind. Immer wieder zweigen Pisten ab. Welche nehmen? Orientierung bietet nur das GPS, das die grobe Richtung nach Mörön zeigt.
Da ist es schon erstaunlich, dass man in dieser Einsamkeit auf Hirten stößt, die ihre Herde vom äußersten Nordwesten der Mongolei ins Landesinnere treiben, um die Schafe und Ziegen auf einem Markt im Zentrum der Mongolei zu verkaufen. 30 Tage brauchen sie für diese mehr als 1000 Kilometer lange Tour. Unterstützt werden sie dabei von ihren Pferden, den Hunden und einem Kamel, das die ganze Habe der Hirten und das Wasser trägt.
Mörön bietet, außer einer breiten Infrastruktur an Tankstellen und Geschäften, nicht viel und ist nur eine Zwischenstation auf dem Weg zum Khövsgöl. Dass dieser See zu den beliebtesten Ferienzielen der Mongolen zählt, macht die 100 Kilometer lange Fahrt von Mörön zum Khövsgöl für uns nicht angenehm. Dutzende 4WD stauben an uns vorbei. An der Piste wird zwar intensiv gearbeitet, was sie nicht unbedingt besser macht. Im Gegenteil, es ist ein ständiges Auf und Ab, und in dem ganzen Staub sind Schlaglöcher nicht immer sofort erkennbar.
Impressionen aus der Mongolei
Khatgal ist der Ort, an dem sich die Piste teilt, in eine West- und eine Ostroute, die am See entlang führt. Eine falsche Entscheidung bringt uns um den Genuss dieses landschaftlichen Höhepunktes. Es geht auf die Ostroute, obwohl der Lonely Planet vor dieser Strecke warnt: »The track along the eastern shore is possibly the worst stretch of road we encountred in Mongolia. Expect mud, rocks, roots and an old collapsed bridge«. Der ansonsten nicht immer akkurat recherchierte Reiseführer sollte in diesem Fall Recht behalten. Eine Stunde für 20 Kilometer, wir geben auf, da die Karte für die nächsten 40 Kilometer keinen Blick auf den See prophezeit. Wenn es regnen sollte, und die Wahrscheinlichkeit liegt in der Luft, dann kommen wir da nicht mehr daraus.
In Khatgal trifft uns die geballte touristische Ladung. Es ist Nadam und der Ort, wie auch das Ufer, ist übervölkert mit erholungssüchtigen Mongolen. Der einzige Ausflugsdampfer wird belagert. Er schippert schlagseitig ein paar hundert Meter auf den See, dreht sich dreimal um sich selbst und tuckert ächzend zum Anleger zurück, um die nächste Ladung aufzunehmen.
Wir ziehen uns zurück. Fast 1000 Kilometer Piste liegen bis Ulaan Baatar noch vor uns. Wir müssen zurück in die mongolische Hauptstadt unsere Visum-Uhr tickt. Nur noch wenige Tage, und wir müssen das Land verlassen. Und in Ulaan Baatar gibt es noch einiges zu erledigen.
Nachtrag:
Öl und Reifen sind gewechselt, Hinterradlager getauscht, Luftfilter gereinigt. Heute geht es weiter, zunächst wieder nach Norden, Richtung Ulan Ude und dann weiter – Richtung Osten.
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Fast zwei Wochen lag die Mongolei auf dem Trockenen. Zunächst wurde der Diesel knapp, dann das Benzin mit 92 Oktan. Diesel sowie Benzin wurden rationiert. Sogar von Bezugsscheinen war die Rede. 80-Oktan-Benzin gibt es noch, so dass wir am Montag zu einer kleinen Mongolei Runde aufbrechen.
